...es ist soweit...        

 

LaudatioAusstellungseröffnung am  

16. November 2012

 

Eine Laudatio von der eigenen Ehefrau – das könnte durchaus einen Tabubruch bedeuten, gerade deshalb wage ich es.

 

Außerdem winkt uns als „Partnerinnen in allen Lebenslagen“ am Ende dieses Abends, zwischen dem einen oder anderen guten Getränk, die Entlastung von allen vorstellbaren Facetten nervlicher Belastungskaskaden.

 

***

 

0,2 Sekunden – diese Zeit benötigt das menschliche Gehirn, um sich „sein eigenes Bild vom Gesehenen“ zu machen. Dabei werden vom Betrachter Vermutungen und verankerte Erfahrungen aus demUnterbewusstsein vernetzt, die den Betrachter sehen lassen, was nicht zwingend mit der Realität überein stimmen muss.

Das behaupte ich nicht, sondern das ist von Wissenschaftlern so bewiesen.

 

Ich hoffe sehr, verehrte Gäste, dass sie sich heute Abend etwas mehr Zeit nehmen, die ausgestellten Werke zubetrachten.

 

Hier stellen sich zwei Männer dem Blick der Öffentlichkeit. Zwei Männer, die sich entschieden haben, ihre eigene Art als Ausdrucksform für das zu wählen, was sie zu sagen haben. In vielen Gesprächen wurde eines deutlich: Beide sind der Meinung, das es kaum etwas Sinnlicheres gibt, als künstlerisch tätig zu sein.

Und ab heute dürfen sich diese beiden hier für ein Vierteljahr ihrem ganz eigenen DIALOG widmen.

 

Es gibt viele Menschen, die wissen bereits als Kind, was sie einmal werden wollen. Manche verfolgen ihr Ziel mit energischem Willen, andere machen ihre Ziele zu etwas austauschbarem.

Beides trifft für diese Männer nicht zu. Sie stammen aus einer Generation, in der „man etwas Vernünftiges lernt“. Kunst ist etwas für Spinner und Nichtskönner.

 

Und so gingen beide ihre Wege, ihre Umwege, ihre Hohlwege, fanden sich auch manchmal auf Holzwegen wieder, ….

 

Aber eines haben sie auf  ihren Wegen gesammelt. Es sind diese unzähligen Erfahrungen, die das Leben so bunt machen. Und da alles im Leben seine Zeit hat, fanden beide ihren Weg zu dem, was sie heute tun. Diese Metamorphose hat nichts mit austauschbaren Zielen zu tun, sie zeigt mir einmal mehr, dass es eine nötige Reife braucht, um sich den Themen des Lebens zu widmen. Zwei Männer, die ihr ganz eigenes Zeichen setzen gegenden heutigen Zeitgeist, der von Oberflächlichkeit und materieller Gier geprägt scheint. Der künstlerische Ausdruck bietet den Raum und die Freiheit dafür.

 

Es ist bereits viele Jahre her, dass sich beide in mehreren Kursen und Praktika bei etablierten Künstlern die Grundlagen ihrer Techniken angeeignet haben, die sie dann im Laufe der Zeit ausfeilen und ihre eigenen charakteristischen „Handschriften“ herausbilden und formen konnten.

 Dabei haben sich alle beide ihre Experimentierfreude erhalten. Ihre Ideen entstehen, nehmen Konturen an und trotzdem verändern sich ihre Arbeiten oft im Prozess der Gestaltung. Sie dürfen sich entwickeln, dürfen anfangen zu leben. Und wenn die Werke fertig sind, fragt sich der Betrachter oft, wo hört die Phantasie auf und wo fängt die Realität an.

 

Ralf Teichmüller und Hans-Jörg Schult – zwei Männer, die keine Visionäre sind, sondern echtes Gefühl in ihren Arbeiten sehen lassen. Sie folgen keinen Modeerscheinungen und machen es sich nicht  immer nur spielerisch leicht.

 

In ihren Arbeiten ist viel zu entdecken, von Authentizität über Liebe zum Leben, Verbundenheit zur Natur bis hin zu Kritik am heutigen gesellschaftlichen Verständnis von Ethik und Moral. Mal überwiegt provokanter Ausdruck, dann breitet sich wieder ein harmonisch stilles Gefühl aus. Beim Betrachter entstehen auf diese Weise manchmal sehr widersprüchliche Emotionen. Dabei sind die vielfältigen Deutungen und Bedeutungen ihrer Arbeiten auch gern dem Betrachter überlassen.

 

Jede von Menschen geschaffene künstlerische Arbeit hat ihren eigenen ästhetischen Anspruch. Für mich ist dies kein definierter Lehrsatz, sondern völlig übernommene Einstellung zum Umgang mit künstlerischen Arbeiten. Was „richtige“ Kunst ist, sollen gern andere entscheiden.

 

Mit diesem Grundsatz ausgestattet, macht es mir immer wieder große Freude, in den Arbeitsprozess entstehender Werke einblicken zu dürfen und dabei die die Hingabe der beiden zu ihrem Tun zu erleben. Es ist dieses Wechselspiel zwischen einer geplanten Arbeit und der Demut, die sie empfinden, wenn sie sich den Möglichkeiten anpassen, die das Material ihnen anbietet.

 

Ich wünsche allen beiden, dass sie sich die Kunst wie eine optimistische Pufferzone ihres Lebens bewahren können,mögen sie die Richtigkeit ihrer Wege erkennen, sie mit Leichtigkeit und Lebensfreude weitergehen und weiterhin streitbare Werke aus ihren Köpfen und Händen entstehen lassen

 

 

Ihnen, sehr verehrte Gäste, wünsche ich einen genussvollen Abend mit angenehmen Gesprächen und möchte mit einerAussage von Pablo Picasso enden:

 

„Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele!“

 

 

Viel Vergnügen!