Der Stadtflüchter mit dem Schnitzmesser aus Rothesütte

Thüringer Allgemeine vom 20.01.2015  


Mit einer Ich-AG begann Jörg Schult vor einem Jahrzehnt seine Selbstständigkeit - längst hat er sich nicht nur im Dorf einen Namen gemacht.

   

Er mag schon 67 sein, doch werkelt Jörg Schult nach wie vor gern sechs Stunden am Tag in seiner Werkstatt in der Alten Poststraße von Rothesütte. Foto: Kristin Müller

Rothesütte (Kreis Nordhausen). Eine lachende und eineweinende Maske begrüßt den Gast über der Haustür. Darauf angesprochen, lächelt Holzbildhauer Jörg Schult: "Ach die...", sagt er nur. Es ist wohlschon lange her, dass er sie geschnitzt hat.

Jörg Schult war vor einem Jahrzehnt schon 57, als er sichselbstständig gemacht hat, mit einer Ich-AG den Start ins Arbeitsleben auf eigenes wirtschaftliches Risiko wagte. Der Nordhäuser hatte sechzehn Jahre zuvor mit seiner Frau Ina ein Fachwerkhaus aus dem Jahr 1860 in Rothesütte gekauft und ausgebaut, hier war der "Stadtflüchter", wie er sich selbst nennt, heimisch geworden.

"Wir leben sehr gut hier", sagt Schult, inzwischen67. Doch das Alter hält ihn nicht davon ab, fast täglich die Lampe an seiner Werkbank in der Werkstatt anzuknipsen. Er will umsetzen, was er einst in einem Schnitzkurs und während eines Praktikums beim Harzer Holzbildhauer Uwe Bormann gelernt hat. Und natürlich sammelte er auch beim Tun Erfahrungen ohne Ende. "Jetzt bin ich ein Künstler", sagt er verschmitzt.

Schult stellte im Stolberger Schloss aus

Mit Schnitzmessern, Klüpfel und Stemmeisen schafft er aus Holzstämmen heimischer Wälder Kunstwerke: Pummelige, vollbusige Engel, die verschmitzt lachen; besagte Harzer Masken, Baumstämme mit lustigen Zwergengesichtern, hölzerne Tränken. Nach Sao Paolo lieferte Schult sogar schonein hölzernes Grabmal. Im Stolberger Schloss stellte er 2012 aus, präsentierte unter anderem eine Schießscheibe mit echten Einschüssen der DDR-Grenzhelfer. Die Skulptur trägt den Namen Treffsicherheit". "Jeder soll für sich herausfinden, was die Dinge bedeuten", so Schult.

Maschinenschlossermeister hatte er einst gelernt, um sein Geld bei der Kältetechnik in Niedersachswerfen oder bei der HO zu verdienen. Doch nach der Wende traf auch ihn irgendwann die Arbeitslosigkeit, vier Jahre hatte der Schlosser vergebens einen Job gesucht. Drei Jahre bekam seine Ich-AGFörderung vom Staat, längst kann Jörg Schult mit seinem Ein-Mann-Betrieb aufeigenen Beinen stehen.

Kristin Müller / 20.01.15 / TA

Z0R0006571313  

 

 

            

 

...auch die Presse nahm Notiz...        

Hier ein Beitrag aus der "Mitteldeutschen Zeitung" 

 

Bis 24. Februar in StolbergAusstellung im Schloss verbindet Grafik und Holz

VON VIKTORIA HOFFMANN

 

STOLBERG/MZ. Nur eine Fünftelsekunde benötigt das menschliche Gehirn, um sich sein ganz eigenes Bild von etwas zu machen. Ina Schult hofft, dass die Besucher der Ausstellungseröffnung am Freitagabend sich trotz dieser wissenschaftlichen Erkenntnis mehr Zeit für die Betrachtung derKunstwerke nehmen. Auf dem Stolberger Schloss ist seit dem 16. November eineGemeinschaftsausstellung ihres Ehemannes und Holzbildhauer Hans-Jörg Schult mitdem Grafiker Ralf Teichmüller zu sehen. Unter dem Motto "Dialog-Art:Grafik trifft Holz" werden die Werk- und Kunststücke noch bis zum 24.Februar ausgestellt.

Die beidenKünstler aus Rothesütte und Nordhausen sind über Umwege zu ihrer Leidenschaftund Berufung gekommen. Sie gehörten zu einer Generation, in der Künstler keinbesonders angesehener Beruf war. Deshalb hatten beide erst einmal etwas"Richtiges" gelernt. Teichmüller zeigt seit 2003 seine Aquarelle,Ölgemälde und Zeichnungen in regionalen und überregionalen Ausstellungen. Seiteinem Workshop vor vier Jahren schlägt sein Herz besonders für dieTiefdruckgrafik. Für Hans-Jörg Schult kam vor zehn Jahren der Neuanfang, indemer seine Passion zum Beruf machte.

Im Nachhineinist man sich sicher, dass es diese gewisse Reife braucht, um sich mit denexistenziellen Themen des Lebens auseinanderzusetzen. Die Künstler schaffen ihreigenes "Bild" von Authentizität und der Liebe zum Leben. Jedochfindet sich auch Kritik an dem heutigen Verständnis von Ethik und Moral in denWerken wieder.

Claudia Hackerfreut sich sehr über die neue Ausstellung im Stolberger Schloss. Die Leiterindes Bereichs Tourismus in Stolberg erzählte, dass die beiden Künstler schonseit vielen Jahren mit dem Fachwerkort verbunden seien. Als Kunsthandwerkerseien beide auf den verschiedenen Festen im Luftkurort dabei und kämen immergut an. Die Künstler schaffen mit ihrer Gemeinschaftsausstellung eine Premierefür das historische Gemäuer. "Dies ist die erste gemischte Ausstellung, inder künstlerische Produkte aus verschiedenen Werkstoffen gezeigt werdenkönnen", weiß Hacker weiterhin.

Dabei handeltes sich um Skulpturen aus Holz zum Teil in Kombination mit anderen Materialien,die vom Künstler Hans-Jörg Schult entworfen und praktisch umgesetzt wurden.Über die Verfahren der Tusch- und Stichätzungen lässt Ralf Teichmüller unteranderem Darstellungen von Natur und Bauwerken entstehen. Dabei wurden sowohlfrühere Werke als auch neuste Schöpfungen für die Ausstellung ausgewählt.

Sophia Schiekehabe schon so manches Teil gedanklich im Einkaufswagen verfrachtet. Eines vonSchults Kunstwerken gefällt ihr besonders. "Vielleicht wird das ja meinerstes Weihnachtsgeschenk", scherzte die 25-Jährige. Sie war auf eineEinladung hin mit ihrer Mutter und der kleinen Schwester Lisa-Maria ausNiedersachswerfen nach Stolberg gekommen.

Mareike Schultfreut sich mit ihrem Vater Hans-Jörg Schult über diese tolle Möglichkeit. Die23-Jährige steht nicht nur voll hinter ihrem Vater, sie tritt sogar in seineFußstapfen. Die gelernte Landschaftsgärtnerin gestaltet selber Skulpturen ausHolz und anderen Materialien und stellt auch aus. "Jeder in unsererFamilie hat sich der Kunst verschrieben", erklärte sie. Schließlich habeihre Mutter die Fotografie für sich entdeckt. Doch nicht nur die Familien derKünstler waren der Einladung auf das Schloss gefolgt. Im Roten Salon war keinStuhl unbelegt als am Freitagabend der Startschuss für dieGemeinschaftsausstellung gegeben wurde. Die musikalische Umrahmung, die durcheinen Cellisten des Loh-Orchesters Sondershausen erfolgte, sowie das besondereSchloss-Ambiente ergänzten sich. Alles in allem traten nicht nur die Künstlerin Dialog. Teichmüller und Schult nahmen sich Zeit, um mit den vielen Gästenins Gespräch zu kommen, Fragen rund um ihre Kunst zu beantworten.

Bis zum 24.Februar können Kunstinteressierten noch auf das Schloss pilgern und dieGemeinschaftsproduktion entdecken.

 

 

 

Ein weiterer Beitrag erschien etwas später in der "Thüringer Allgemeinen"

 

 

Grafiken und Holz treffensich im Stolberger Schloss

  • TA vom 15.12. Beitrag von Susanne     Bernstein

Der Holzbildhauer Jörg Schult und der Künstler Ralf Teichmüller stellen ihre Werkeim Stolberger Schloss aus und präsentieren ihre Arbeiten auch auf dem Weihnachtsmarkt.

Stolberg. Die Engel dürfen nicht fehlen. Auch im Stolberger Schloss hängen jetzt die leicht pummeligen, aber durch und durch reizenden, kleinen Geschöpfe. Sie sind das Markenzeichen des Rothesütter Holzbildhauers Jörg Schult.

Der 65-Jährige stellt noch bis 24. Februar gemeinsam mit dem Nordhäuser Ralf Teichmüller im Stolberger Schloss aus. "Dialog-art Grafik trifft Holz"heißt die gemeinsame Schau.

Rund 40 Exponate präsentiert Schult: Skulpturen, Schnitzereien aber auch die Harztypischen Masken. Jedes Stück ein Unikat aus einheimischen Hölzern. In einigen Fällen kombiniert der Rothesütter seine Holzarbeiten mit Metall. Dann wird auch das alte Kellerfenster mit Händen aus Lindenholz zur Kunst. Oder die Schießscheibe mit echten Einschüssen der DDR-Grenzhelfer. Die Skulptur trägt den Namen "Treffsicherheit". "Jeder soll für sich herausfinden, was die Dinge bedeuten", sagt Schult.

Mystisches präsentiert Ralf Teichmüller. Der 53-jährige Nordhäuser fertigt seit 2008 Tiefdruckgrafiken und Radierungen an. Früher hat er sich auf Motive der Nordhäuser Altstadt und Burgen konzentriert. Mittlerweile setzt er seinenSchwerpunkt auf mystische und verträumte Bildinhalte. 32 dieser Arbeiten stellt er im Stolberger Schloss aus. Die Passepartouts hat er dabei den vorherrschenden Farben in den Räumen angepasst.

Enge Verbindung nachStolberg

"Ein Bild muss aussehen, als ob es zum Raum gehört", ist der Nordhäuser überzeugt. Er will zeigen, dass er sich weiterentwickelt hat. Perspektivisch schwebt ihm sogar vor, seine Werkstatt für Gäste zu öffnen. Doch dieses Vorhaben brauche noch Zeit, erzählt er.

Die beidenMänner verbinden viel mit der hübschen Südharzstadt. "Ich habe viel Zeit in meiner Kindheit in Stolberg verbracht", sagt Teichmüller. Jörg Schult und seine Frau haben unterdessen ihre Hochzeitsnacht in dem Schloss erlebt. Damals, als es noch DDR-Ferienheim war.

Darüberhinaus verbindet die beiden Männer nicht nur eine Freundschaft, auch ihre beruflichen Wurzeln liegen eng beieinander. Beide haben ursprünglich einen Metallberuf gelernt. Und beide sind in punkto Kunst Autodidakten. Ihre Arbeit präsentieren die beiden Männer an diesem Wochenende auch auf dem Stolberger Weihnachtsmarkt. Seit einigen Jahren sind Teichmüller und Schult bei diesem regelmäßig zu Gast. Dieser findet auf dem Stolberger Schlosshof und im Schloss selbst statt.

Geöffnet hat der Markt am Samstag und Sonntag jeweils von 10 bis 19 Uhr. An über 40 Ständen werden Kunsthandwerk, Stolberger und Harzer Spezialitäten angeboten. Auf der Bühne gibt es verschiedene weihnachtliche Programmpunkte. Auch der Weihnachtsmann hat sich angesagt.